City-Gastronom streicht Zigeunersoße von der Speisekarte - Freie Presse
Zunächst hielt der Turmbrauhaus-Betreiber am klassischen DDR-Gericht fest. Doch nach zahllosen Kommentaren auf Facebook änderte sich das. Andere Restaurants bieten die Mahlzeit ebenfalls an - und wollen dabei bleiben.
Vor wenigen Tagen gab der Lebensmittelhersteller Knorr, der zum Unilever-Konzern gehört, bekannt, dass der Produktklassiker "Zigeunersauce" in Zukunft in "Paprikasauce Ungarischer Art" umbenannt werden soll. Der ursprüngliche Name könne negative Assoziationen hervorrufen, erklärte der Mutterkonzern.
Es ist nicht das erste Mal, dass eine Debatte um die würzige Sauce geführt wird: Im Jahr 2013 hatte Knorr eine Änderung noch abgelehnt, nachdem ein Verein der Sinti und Roma aus Hannover eine Umbenennung der Sauce forderte. Doch nun soll der Name aus den Supermarktregalen verschwinden - auf Speisekarten hat er allerdings noch immer seinen Platz.
So auch in mehreren Chemnitzer Restaurants - zum Beispiel bei André Donath, dem Inhaber des Turmbrauhauses. Auch er hörte von der jüngst wieder angestoßenen Debatte. Er setzte einen Facebook-Post ab, in dem er sich "klar gegen jede Art von Diskriminierung" stellte, aber zugleich darauf hinwies, "auch in Zukunft am Steak-Tag eine Zigeunersoße" anzubieten. Einige Stunden und mehr als 80 kontroverse Kommentare später löschte der Brauhausbesitzer den Eintrag im sozialen Netzwerk aber wieder. Der "Freien Presse" erklärte Donath, dass der Name der Soße nun doch "mit der nächsten Karte geändert" werden solle. Sofort umbenannt wurde das Gericht hingegen zum gestrigen Steak-Tag auf einem Aufsteller vor dem Brauhaus - aus Zigeunersoße wurde Paprikasoße. "Für mich war die Soße immer ein bisschen DDR-Kultur, aber heute muss man aufpassen, was man sagt, sonst wird man in die falsche Ecke gestellt", sagte der Brauhaus-Besitzer.
Auch der Betreiber des innerstädtischen City-Pubs Mark Bauer bietet auf seiner Karte das "Zigeunersteak" an. Gegenüber der "Freien Presse" sagte der Gastronom, dass dies auch weiterhin so bleiben solle. "Für mich ist diese Debatte sinnlos, es geht um Essen und nicht um Rassen", sagte Bauer. Ähnlich wie Brauhaus-Besitzer Donath hält auch Bauer die Soße für "im Osten etabliert". Bisher habe er auch keinerlei Beschwerden bekommen. Die gleiche Erfahrung machte Petra Müller aus dem "Frohen Zecher", einer Gaststätte in Altchemnitz: "Unsere Stammkunden stören sich nicht an dem Namen", sagte Müller. Deshalb bleibt auf ihrer Speisekarte das Schweinesteak "Zigeuner Art" stehen.
Am Sonntag hatte sich der Chemnitzer SPD-Bundestagsabgeordnete Detlef Müller ebenfalls zu der Debatte geäußert. Bei dem Kurznachrichtendienst Twitter schrieb er: "Aus Kulturkampf wird Kulturkrampf. Nach Mohrenkopf nun Zigeunersauce. Folgen werden wohl Königsberger Klopse, Leipziger Allerlei und Schwarzwälder Kirsch. Ein Bärendienst an einer wichtigen Sache." Die Aussage wurde auf Twitter mehr als kontrovers diskutiert. Auch der Chemnitzer SPD-Jugendverband kritisierte Müllers Äußerungen auf das Schärfste als rassistisch. Müller löschte den Eintrag, entschuldigte sich und beschrieb ihn später als "blöd und missverständlich". Max Stryczek, Vorsitzender der Chemnitzer Jusos, sagte später: "Wer diskriminierende und rassistische Begriffe als schützenswertes Kulturgut sieht, hat nichts in der SPD zu suchen. Das ist mit unseren Grundwerten nicht vereinbar."
August 19, 2020 at 12:59PM
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